Assassin’s Creed Origins: Gähn wie ein Ägypter

In Zeiten vermehrter Burnout-Erkrankungen ist es besonders wichtig, auf seinen Körper zu hören. Aus diesem Grunde habe ich es sehr begrüßt, dass sich Assassin’s Creed im vergangenen Jahr ein wohlverdientes und dringend notwendiges Sabbatical gegönnt hat, um wieder zu Kräften zu kommen. Ein überfälliger Schritt, wirkte die Reihe doch bereits zu Unity-Zeiten abgekämpft, fahrig und zunehmend überfordert von der eigenen Anspruchshaltung. Zurückgekehrt ist sie nun als Assassin’s Creed Origins, einer Rückbesinnung auf die alten Stärken. Frisch erholt und wieder richtig motiviert. Kolleginnen und Kollegen kommen ins Büro geströmt und umarmen sie ganz herzlich. In ihren müden Augen glimmt die Bewunderung für den Mut und die Kraft, die das Eingeständnis der eigenen Verwundbarkeit umwehen. Ein Neuanfang, der sich gut anfühlt. Bis die Erkenntnis eintritt, dass man gerade in denselben Job zurückgekehrt ist, der überhaupt erst zu diesem kritischen Erschöpfungszustand geführt hat.

nile

Alles auf Anfang bedeutet meistens auch, dass erst einmal ein Prequel ansteht. Also wird das Rad der Geschichte ein Stück weiter zurückgedreht, bis man schließlich – ähnlich wie bei Serious Sam – im ptolemäischen Ägypten wieder aufwacht. Damals gab es noch gar keine Assassinen, deshalb muss man zunächst mit der unverbrauchten Prämisse des rachsüchtigen Typen vorlieb nehmen, der Vergeltung für den Tod seines Sohnes sucht.

Cool.

Aber davon lässt man sowieso direkt wieder ab, weil die eigene Stufe nicht ausreicht, um das Hauptziel zu verfolgen. In solchen Fällen hilft immer ein Blick auf die Karte:

egypt

Anscheinend wurden sämtlichen Nebenmissionen der vergangenen zwei Jahre von der Vertretung liegen gelassen und müssen nun abgearbeitet werden. Tiere töten, Tierhäute sammeln, Tierprodukte herstellen, größere Tiere töten, härtere Tierhäute sammeln, bessere Tierprodukte herstellen, Menschen töten, Menschensachen sammeln, Menschensachen für Gold verkaufen und davon bessere Menschensachen kaufen. Man blickt einem majestätischen Nilpferd in seine traurigen Augen während man den Speer zückt, weil eine Bildschirmeinblendung nach seinem Tod verlangt. Als Belohnung gibt es eine Waffe, die nach fünf weiteren Spielminuten nichts mehr wert sein wird.

Man ist wieder Teil einer perfekt geölten Maschine. Einer Maschine, deren Spielprinzip auf dem eigenen Verschleiß beruht. Einer Maschine, die einen taub gegenüber der spielerischen und erzählerischen Langeweile macht, weil sie viel zu imposant erscheint, um die brennende Frage nach ihrer Sinnhaftigkeit zu stellen.

Der namensgebende Ursprung von Assassin’s Creed Origins, es ist der Ursprung allen Übels.

Nach einigen Tagen ist der Alltag ins Büro zurückgekehrt. Routiniert absolviert man sämtliche Arbeitsaufträge, isst seine vorgeschmierte Butterbemme direkt vor dem Bildschirm und fühlt sich selbst so stumpf wie das Level-10-Schwert, das anfangs noch so mächtig schien. Dann klopft Need for Speed Payback an die halb geöffnete Glastür, fragt, ob alles fit im Schritt sei (Bro!), und macht eine kumpelhafte Cunnilingusgeste, indem es seine gräuliche Zunge zwischen Zeige- und Mittelfinger auf- und abwippen lässt. Vielleicht hätte man doch noch ein Jahr Pause dranhängen sollen.

 

 

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