(M)Ein Jahr ohne Superlevel

Eigentlich wäre es mein Wunsch gewesen, dass diese Seite hier gar nicht existiert. Es gibt sie nur, weil es eine andere nicht mehr geben sollte. Das Ende von Superlevel jährt sich in Kürze, wirklich akzeptiert habe ich es jedoch erst Monate später. Ich war davon überzeugt, dass die Einstellung der Seite einen schwerwiegenden Verlust bedeutete. Nicht für den deutschen Spielejournalismus, jedoch für die Wahrnehmung, wie unterschiedlich und vielfältig man auch hierzulande über das Thema Videospiele sprechen kann. Doch ein Jahr später fühlt sich dieser Verlust vielmehr wie ein ganz persönlicher und nicht mehr wie ein allgemeiner an.

Unbenannt

Im Rückblick betrachtet wirken die tatsächliche Relevanz und der stichwortgebende Einfluss, den ich Superlevel so gern bescheinigt habe, stark überhöht. Das mag einerseits wohl darin begründet sein, dass ich zu einer Zeit zu der Seite stieß, in der ich mit einem Artikel mehr Menschen erreichen konnte, als mit all meinen vorherigen Texten zusammen. Andererseits aber auch damit, dass mir in späteren Jahren der zunehmende Bedeutungs- und Reichweitenverlust, aber auch der schleichende inhaltliche und personelle Wandel der Seite nur langsam bewusst wurden.

Ich war in den finalen Monaten vielleicht auch viel zu involviert, um das sich lange Zeit ankündigende Aus der Seite als unumstößliche Prophezeiung anzuerkennen und darauf vorbereitet zu sein. Wenn es drohte, stiller auf der Homepage zu werden, wurde ich eben lauter und schrieb teils stundenlang durch, bis wieder zwei-drei neue Artikel eine ansonsten vielleicht leere Woche füllten. Nicht aus Pflichtgefühl, nicht aus Trotz, sondern einfach, weil ich mich völlig frei in der Art und der Frequenz meines Outputs fühlte. Und vor allem frei von der Angst, zurückgewiesen zu werden.

Doch letztlich muss ich mir eingestehen, selbst dazu beigetragen zu haben, dass andere Autorinnen und Autoren diese Freiheit womöglich nicht in selbem Umfang verspürt haben. Ich befürwortete die zunehmende Bürokratisierung und Ordnungssucht hinter den Kulissen, nervte altbewährte wie neue Teammitglieder mit teils sicherlich zu pedantischen Lektoratsanmerkungen und nahm damit oftmals den Fuß vom Motivationspedal. Dabei war es doch gerade das zuvor herrschende kreative Chaos, das mir stets dabei half, die beste Version meiner selbst in Artikelform wiederzugeben.

Es war immer etwas sehr besonderes, wenn wieder jemand eine alberne Idee in den Teamchat warf, diese von allen weitergesponnen wurde und am Ende etwas Wunderbares und Einzigartiges entstand. Das waren die Momente, in denen mir bewusst wurde, dass ich nie wieder alleine schreiben will. Ich vermisse Superlevel nicht. Ich vermisse nur die Menschen, die mich darin unterstützten, meinen eigenen Stil zu finden und jeden noch so absurden Einfall umsetzen zu können. Ich vermisse den Austausch mit ihnen, der mir oft mehr bedeutete als das daraus resultierende Endprodukt.

Ich bin dennoch froh, dass sie alle ihren Weg gegangen sind und vermutlich gerade nicht daran denken, was letzten Sommer um dieselbe Zeit zu Ende gegangen ist. Soooo geil war es ja dann auch wieder nicht. Gleiches gilt für Mario Tennis Aces. 7/10

 

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2 Gedanken zu “(M)Ein Jahr ohne Superlevel

  1. Trotzdem bin ich immer noch auf der Suche nach einem Blog der diese Lücke füllen kann. Aber genau wegen dieser Suche habe ich inzwischen auch jede Menge andere interessante Blogs gefunden. Die Erde dreht sich also weiter.

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