Inside: Außer Kontrolle

Die gleißenden Lichtkegel der Taschenlampen durchfluten das Buschwerk. Ziellos, fast panisch schwenken sie hin und her, unwissend, was sie eigentlich erleuchten sollen. Sie folgen nur der Angst ihrer Träger, die nach etwas jagen, das selbst vor markerschütternder Furcht rot glimmt und quiekt. Es ist eine undurchsichtige Szene, deren Intensität den Körper des fünfjährigen Jungen erstarren lässt, der ihr unbegleitet beiwohnt. Knapp 28 Jahre später erinnert sich dieser Junge an die Taschenlampen, an das rote Glimmen und das Quieken. Er erinnert sich an die Furcht, die ihn vor dem Fernseher erstarren ließ. Er erinnert sich daran, wie allein und überfordert er in diesem Moment war, aber auch, wie fasziniert von der Unheimlichkeit seiner Emotionen.

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South Park | Die rektakuläre Zerreißprobe: Der Tyrann

Als ich in die 7. Klasse kam, gab es dort einen Jungen, der war ein ziemlich großes Arschloch. Er machte sich über die Äußerlichkeiten und Unsicherheiten seiner Mitschülerinnen und Mitschüler lustig, zog als mäßig begabter Klassenclown den Zorn der Lehrkräfte auf sich und fand es zudem unterhaltsam, gelegentlich mit dem Hitlergruß zu provozieren. Ein paar Monate vergingen, der Junge fing das Rauchen an, versengte die Haarspitzen einer Mitschülerin mit einem Benzinfeuerzeug und plötzlich traf ich ihn im Wartezimmer meines Psychotherapeuten wieder. Zum ersten Mal stumm, zum ersten Mal ängstlich und erschrocken, als hätte ich ihn ertappt und seinen schützenden Vorhang weggerissen. In den kommenden Wochen wurde uns beiden klar, dass wir mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten, mit diesen jedoch sehr unterschiedlich umgingen. Wir wurden Freunde, für eine gewisse Zeit zumindest, bis er schließlich von der Bildfläche verschwand.

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Assassin’s Creed Origins: Gähn wie ein Ägypter

In Zeiten vermehrter Burnout-Erkrankungen ist es besonders wichtig, auf seinen Körper zu hören. Aus diesem Grunde habe ich es sehr begrüßt, dass sich Assassin’s Creed im vergangenen Jahr ein wohlverdientes und dringend notwendiges Sabbatical gegönnt hat, um wieder zu Kräften zu kommen. Ein überfälliger Schritt, wirkte die Reihe doch bereits zu Unity-Zeiten abgekämpft, fahrig und zunehmend überfordert von der eigenen Anspruchshaltung. Zurückgekehrt ist sie nun als Assassin’s Creed Origins, einer Rückbesinnung auf die alten Stärken. Frisch erholt und wieder richtig motiviert. Kolleginnen und Kollegen kommen ins Büro geströmt und umarmen sie ganz herzlich. In ihren müden Augen glimmt die Bewunderung für den Mut und die Kraft, die das Eingeständnis der eigenen Verwundbarkeit umwehen. Ein Neuanfang, der sich gut anfühlt. Bis die Erkenntnis eintritt, dass man gerade in denselben Job zurückgekehrt ist, der überhaupt erst zu diesem kritischen Erschöpfungszustand geführt hat.

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Call of Duty WWII: Nur ein Zahnrad

Ich weiß jetzt auch nicht, welcher Weltkrieg der bessere war, aber in der Musik spricht man gerne vom schwierigen zweiten Album und so fühlt sich Call of Duty WWII an. Nachdem sich die Konkurrenz im vergangenen Jahr mit der historisch eher freien Interpretation der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts ein goldenes Näschen verdient hatte und der eigene Krieg der Zukunft so steril und ausgehöhlt daherkam, dass Großaktionäre eine Gewinnwarnung fürchten mussten, kehrt man dieses Jahr also zu den eigenen Wurzeln zurück. Plötzlich brüllt da wieder ein behelmter Mann mit Kautabakfahne Durchhalteparolen im Kugelhagel, es öffnen sich die gepanzerten Luken der Landungsboote und wie ein älteres Ehepaar, das jedes Jahr dasselbe Hotel im Schwarzwald bucht, weiß man genau, was einen jetzt erwartet.

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Deus Ex Mankind Divided: Schwule Frösche

Manchmal sieht man Menschen mit einer Google-Glass-Brille oder einer Apple-Watch-Armbanduhr die andere Straßenseite entlang laufen und findet das irgendwie befremdlich. Man stellt sich unweigerlich vor wie es wohl wäre, wenn man einfach all diese elektronisch erweiterten, doch seltsam leeren Seelengefäße in einem osteuropäischen Ghetto zusammenpferchen und ihren Lebenswandel stigmatisieren würde. Eidos Montreal nahm sich diese unrühmliche Prämisse  einer verworfenen South-Park-Episode zur Brust und schrieb Deus Ex: Mankind Divided auf das fertige Produkt. Dessen mechanische Apartheid war im vergangenen Jahr ähnlich politisch aufgeladen wie es der Nazitötungssimulator Wolfenstein 2 heute ist. Doch während dieser sich gerade ähnlich explosiv entlädt wie ein Smartphone-Akku von Samsung, klebt Adam Jensen noch immer mit seiner gecremten Wange an einer Metallkiste und traut sich nicht aus seinem Versteck hervor. Aus Angst, er könnte jemanden verletzen.

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Horizon Zero Dawn: Digital Native

So wie zufällig generierte Beutekisten heute, waren noch gestern Flitzebögen das trendige Modeaccessoire schlechthin, das jedes Videospiel, das etwas – obgleich auch wenig – auf sich hielt, mitbringen musste. Horizon Zero Dawn kam irgendwo dazwischen zur Welt und um diese zeitgeistliche Todeszone auch im Spiel zu reflektieren, schießt man hier mit dem archaischen Vollstreckungswerkzeug auf benzinbetriebene Robotersaurier, deren Überreste anschießend wie Beutekisten funktionieren. Wenn diese nur wüssten, woraus ihr Treibstoff gewonnen wurde! Und so wie manche nicht glauben können, dass es sich tatsächlich nicht um Butter handelt, can I not believe it’s not Ubisoft!

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Shower With Your Dad Simulator 2015: Falsche Väter

Da ich selbst ohne Vater aufwuchs, weiß ich gar nicht wie es ist, mit ihm zu duschen. Oder halt sonst irgendwas mit ihm zu machen. Ich fürchtete dementsprechend vom Shower With Your Dad Simulator 2015 komplett überfordert zu sein, so wie einst aufgrund fehlender Vorerfahrung auch vom Microsoft Flight Simulator oder vom Goat Simulator. Aber so, wie ich nach einiger Übung mittlerweile wohl problemlos einen Airbus A380 notlanden oder mir einen Kinnbart stehen lassen könnte, hätte ich heute auch kein Problem damit, mir einen Brausekopf mit meinem Papa zu teilen. Oder halt sonst irgendwas mit ihm zu machen.

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