Hitman: Dinner for one

Hitman zu spielen macht mich traurig. Nicht wegen der Geschehnisse auf dem Bildschirm. Es sind die Bilder, die mir nicht gezeigt werden, die mich betroffen machen.

Hitman ist ein Spiel über den einsamsten Menschen der Welt. Ein Mann ohne Zuhause, ohne Familie, ohne Freunde. Ein Mann ohne Hobbies, ohne Namen und ohne ein einziges Körperhärchen. Agent 47 ist die Modellbezeichnung für ein Mordwerkzeug, nicht für eine lebendige Person. Der Barcode im Nacken als Erinnerung daran, dass 47 nur ein Produkt ist, hergestellt von Menschen, die andere Menschen mit seiner Hilfe loswerden wollen. Kalt und gefühllos erledigt der auf strikten Gehorsam abgerichtete Klon sein Handwerk, doch was nach getaner Arbeit für ein Leben auf ihn wartet, wird verschwiegen.

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South Park | Die rektakuläre Zerreißprobe: Der Tyrann

Als ich in die 7. Klasse kam, gab es dort einen Jungen, der war ein ziemlich großes Arschloch. Er machte sich über die Äußerlichkeiten und Unsicherheiten seiner Mitschülerinnen und Mitschüler lustig, zog als mäßig begabter Klassenclown den Zorn der Lehrkräfte auf sich und fand es zudem unterhaltsam, gelegentlich mit dem Hitlergruß zu provozieren. Ein paar Monate vergingen, der Junge fing das Rauchen an, versengte die Haarspitzen einer Mitschülerin mit einem Benzinfeuerzeug und plötzlich traf ich ihn im Wartezimmer meines Psychotherapeuten wieder. Zum ersten Mal stumm, zum ersten Mal ängstlich und erschrocken, als hätte ich ihn ertappt und seinen schützenden Vorhang weggerissen. In den kommenden Wochen wurde uns beiden klar, dass wir mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten, mit diesen jedoch sehr unterschiedlich umgingen. Wir wurden Freunde, für eine gewisse Zeit zumindest, bis er schließlich von der Bildfläche verschwand.

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Assassin’s Creed Origins: Gähn wie ein Ägypter

In Zeiten vermehrter Burnout-Erkrankungen ist es besonders wichtig, auf seinen Körper zu hören. Aus diesem Grunde habe ich es sehr begrüßt, dass sich Assassin’s Creed im vergangenen Jahr ein wohlverdientes und dringend notwendiges Sabbatical gegönnt hat, um wieder zu Kräften zu kommen. Ein überfälliger Schritt, wirkte die Reihe doch bereits zu Unity-Zeiten abgekämpft, fahrig und zunehmend überfordert von der eigenen Anspruchshaltung. Zurückgekehrt ist sie nun als Assassin’s Creed Origins, einer Rückbesinnung auf die alten Stärken. Frisch erholt und wieder richtig motiviert. Kolleginnen und Kollegen kommen ins Büro geströmt und umarmen sie ganz herzlich. In ihren müden Augen glimmt die Bewunderung für den Mut und die Kraft, die das Eingeständnis der eigenen Verwundbarkeit umwehen. Ein Neuanfang, der sich gut anfühlt. Bis die Erkenntnis eintritt, dass man gerade in denselben Job zurückgekehrt ist, der überhaupt erst zu diesem kritischen Erschöpfungszustand geführt hat.

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Call of Duty WWII: Nur ein Zahnrad

Ich weiß jetzt auch nicht, welcher Weltkrieg der bessere war, aber in der Musik spricht man gerne vom schwierigen zweiten Album und so fühlt sich Call of Duty WWII an. Nachdem sich die Konkurrenz im vergangenen Jahr mit der historisch eher freien Interpretation der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts ein goldenes Näschen verdient hatte und der eigene Krieg der Zukunft so steril und ausgehöhlt daherkam, dass Großaktionäre eine Gewinnwarnung fürchten mussten, kehrt man dieses Jahr also zu den eigenen Wurzeln zurück. Plötzlich brüllt da wieder ein behelmter Mann mit Kautabakfahne Durchhalteparolen im Kugelhagel, es öffnen sich die gepanzerten Luken der Landungsboote und wie ein älteres Ehepaar, das jedes Jahr dasselbe Hotel im Schwarzwald bucht, weiß man genau, was einen jetzt erwartet.

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